Anthony Horowitz: Der Fall Moriarty

Anthony Horowitz´ Buch Der Fall Moriarty erschien 2014 im Insel-Verlag Berlin. Mit diesem Buch knüpft Anthony Horowitz an Sir Arhur Conan Doyle und seine Figur Sherlock Holmes an, die bis heute Vorbild des analytisch-rational ermittelnden Privatdetektivs ist. Weil ihm das Verfassen ständig neuer Sherlock-Holmes-Kurzgeschichten und Romane zum Hals heraushing und er lieber historische Romane schreiben wollte, versuchte Doyle sich seiner Detektiv-Figur zu entledigen. Er erschuf die Figur James Moriarty, den gefährlichsten Gegner, den Sherlock Holmes je hatte, weil er dem Detektiv intellektuell gleichwertig war. Professor James Isaac Moriarty wurde von Arthur Conan Doyle als „Napoleon des Verbrechens“ erfunden. Der Schriftsteller führte ihn in The Final Problem (Das letzte Problem) ein. Moriarty sollte Sherlock Holmes umzubringen und so die Sherlock-Holmes-Geschichten beenden. Doyle schreibt Moriarty ein außergewöhnliches mathematisches Talent zu, das schon in der Kindheit aufschien und Moriarty mit 21 Jahren eine Abhandlung über den Binomischen Lehrsatz verfassen lässt, die ihn auf den Lehrstuhl einer englischen Universität hievt. Von dort geht Moriarty als Berater des Militärs nach London, wo er ein Verbrechersyndikat aufbaut. Sherlock Holmes erkannte bald Moriartys Bedeutung und schrieb dessen Organisation die Hälfte der Londoner Verbrechen zu. Dem kriminalistischen Spürsinn Holmes´gelang es nach und nach, Moriartys Verbrecherring in London zu sprengen, doch konnte Moriarty entkommen und nach Frankreich, Belgien und dann in die Schweiz flüchten. Im Land der Alphörner und Banken kam es am 4. Mai 1891 an den Reichenbachfällen nahe Meiringen zu einem Zweikampf, bei dem die beiden Kontrahenten in den Abgrund der Reichenbachfälle abstürzten und in deren komplizierten Kesselsystem untergingen.

Der Tod des beliebten Privatdetektivs Sherlock Holmes hatte Empörung der großen Lesergemeinde von Doyle zur Folge, der sich für das abrupte Ende verteidigen musste und das mit den Worten tat: „Wenn ich Sherlock Holmes nicht getötet hätte, hätte er zweifellos mich getötet.“ Aber die Fangemeinde des Super-Kriminalisten gab nicht auf, so dass sich Arthur Conan Doyle 1901 erweichen ließ, Sherlock Holmes auferstehen zu lassen. Doyle baute ihn seinen Roman „Der Hund von Baskerville“ ein, der vor Sherlock Holmes´ Tod spielte und ein großer Erfolg wurde. Doyle verdiente an dem Buch so viel Geld, dass er Sherlock Holmes Tod in der Kurzgeschichte „The Empty House“ („Das leere Haus“) revidierte. In ihr erzählt Holmes, dass er an den Reichenbachfällen mittels einer japanischen Kampfkunst dem Griff Moriartys entkommen konnte und sich nach dem Tod des bösen Professors in den Wasserfällen über die Klippen retten konnte. Dass er für tot erklärt wurde, nutzte Holmes, um drei Jahre mit Studien und Reisen im Ausland zu verbringen und frei von Verpflichtungen zu sein. Nur sein Bruder Mycroft wusste Bescheid und finanzierte ihn. Mit dieser Fiktion konnte Arthur Conan Doyle eine zweite Sherlock-Holmes-Phase einleiten, in der er drei Kurzgeschichten-Sammlungen und den Roman The Valley of Fear (Das Tal der Angst) verfasste. Die letzte Sherlock-Holmes-Geschichte erschien 1927.

Moriarty

Sherlock Holmes entwickelte ein langes Nachleben, auf das hier nicht eingegangen werden kann. Nur soviel: Es gibt noch heute Menschen, die glauben, Sherlock Holmes sei eine historische und lebende Person gewesen. So realistisch schilderte Doyle seinen Helden. Ähnliches geschah auch Professor Moriarty. Besonders seit den 1970er Jahren beschäftigten sich Autoren und Regisseure mit seiner Person. So tauchte er 1974 in Nicholas Meyers Roman Kein Koks für Sherlock Holmes auf. In dem Film Das Geheimnis des verborgenen Tempels von 1985 erscheint Moriarty als Lehrer von Sherlock Holmes. Auch in dem Buch Der letzte Sherlock-Holmes- Roman (1978) oder in The Secret of Sherlock Holmes (1988) lebte Moriarty weiter. Nur ein paar Beispiele, die für ungezählte weitere stehen. Übrigens gibt es auch Bücher, in denen auch Moriarty den Sturz in die Reichenbachwasserfälle überlebt …

Mit dem Roman The House of Silk (Das Geheimnis des weißen Bandes) wandte sich der vielfache englische Literatur-Preisträger Anthony Horowitz dem Sherlock-Holmes-Thema zu. Es war der erste neue Roman um den genialsten Detektiv aller Zeiten seit dem Tod von Arthur Conan Doyle. Dem internationalen Bestseller-Autor Anthony Horowitz gelang dabei das Kunststück, den Schreibstil Arthur Conan Doyles perfekt zu imitieren. Der Fall Moriarty von Horowitz setzt mit dem Tod von Sherlock Holmes an. Ein paar Tage nach dem Sturz in die Reichenbachwasserfälle kommt der Pinkerton-Detektiv Frederick Chase von New York nach Europa. Denn in London tauchte ein mysteriöser Mann mit dem Namen Devereux auf und nahm Moriartys Platz in der Verbrechenswelt ein. Zusammen mit dem Scotland-Yard-Ermittler Athelney Jones verfolgt Chase nun den Nachfolger Moriartys. Dabei verbindet sich der Stil der alten Holmes-Geschichten mit der Rasanz von heutigen Thrillern. Ein besonderer Tipp für Fans des Krimi-Genres!