On the move von Oliver Sacks

On the Move. In Bewegung. Ja, Oliver Sacks hat ein bewegtes Leben hinter sich. Und bis heute ist der Dichterarzt, Neurologe und Schriftsteller, in Bewegung und unterwegs. Schon in der Kindheit entwickelte der 1933 in England geborene Medizinersohn einen unbändigen Bewegungsdrang. In seiner jetzt erschienenen Autobiographie führt er das auf das Eingesperrtsein und das Machtlosigkeitsgefühl in einem Internat zurück. Mit 18 legte er sich ein Motorrad zu, um das Gefühl von Freiheit auszuleben. Motorräder begleiteten ihn von da an durch sein gesamtes Leben.

On the move als Abschied vom Leben

on the move kleinOliver Sacks hat Leberkrebs. On the Move ist als Abschied von seinem Leben zu lesen. Ein Buch, in dem an vielen Stellen Dankbarkeit für seinen Lebensweg aufscheint, nicht die Angst vor dem Sterben oder dem Tod. In den eigenen Worten Sacks: „Ich habe geliebt und bin geliebt worden; mir wurde viel gegeben und ich habe etwas zurückgegeben; ich habe gelesen und bin gereist und habe gedacht und geschrieben.“ So einfach scheint es zu sein, zufrieden auf ein ganzes Leben zurückzublicken!

Drei Lebensphasen Sacks prägen sich beim Lesen ein: die enge und düstere Welt des Großbritannien der Nachkriegszeit, das nonkonformistische Kalifornien der 1960er und das quicklebendige New York, wo Oliver Sacks noch heute lebt. Und spätestens jetzt wird klar, dass im Leben des weltberühmten Neurologen nicht alles so glatt lief, wie es scheint. Da war z. B. seine homosexuelle Orientierung. Damit hatte er bis ins hohe Alter Schwierigkeiten. Er selbst war oft Patient bei anderen Ärzten: wegen seiner Drogensucht, wegen unerfüllter Liebe und wegen selbstzerstörerischen Exzessen. Er schreibt, dass er Hells Angel-Mitglied war, analysiert in seiner Autobiographie im Grunde seinen eigenen Fall. Und das so fesselnd wie in seinen früheren Büchern, die ihm Übersetzungen in mehr als zwanzig Sprachen einbrachten und ihn manche Literaturpreise einheimsen ließen.

Oliver Sacks – medizinischer Bestsellerautor

Er schrieb über die Parkinson-Krankheit, das Tourette-Syndrom, den Autismus, die Agnosie und Gehörlosigkeit. Themen waren physische Veränderungen im Gehirn, die psychische Störungen hervorriefen. Spannend schilderte der medizinische Bestsellerautor, wie unsere Realität im Gehirn entsteht und wie schnell sie gestört sein kann. Schon die Titel seiner Bücher machen neugierig: „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, Der Tag, an dem mein Bein fortging, Die Insel der Farbenblinden, Die feine New Yorker Farngesellschaft … Störungen, Krankheiten, Abweichungen vom Normalen – das ist für Oliver Sacks normal. Er gibt ihnen einen Titel Wie Charles-Bonnet-Syndrom“ und schon sind sie für die Betroffenen nicht mehr so furchterregend wie zuvor. Wir halluzinieren eben bzw. das Gehirn tut das für uns. Sacks Fallgeschichten aus der eigenen Praxis, seinem eigenen Erleben, seinem Fachwissen und historischen Fällen befreiten Halluzinierende von dem Stigma, sie seien verrückt. Es gibt keinen Grund, solche beängstigenden Wahrnehmungen zu verschweigen.

On the move – authentisch und offen

On the move knüpft an Sacks 2001 veröffentlichte Kindheits- und Jugenderinnerungen Onkel Wolfram an und springt gleich in seine ersten Erwachsenenjahre, in denen die Verurteilung seiner Homosexualität durch seine Mutter lebensprägend wirkte: „Du bist ein Gräuel. Ich wünschte, du wärest nie geboren worden.“ Nie konnte sich Oliver Sacks deshalb von seinen Hemmungen und Schuldgefühlen befreien, wenn er seine Sexualität lebte. Und er ging viele berufliche Irrwege, wurde in der Wissenschaftsgemeinde abgelehnt oder angegriffen, er missbrauche Patientenschicksale für seine literarische Karriere. Überraschend offen bekennt er nach seiner letzten Liebesbeziehung 35 Jahre keinen Sex gehabt zu haben …

On the move. In Bewegung. Oliver Sacks zeigt uns sein intensives Leben, das er mit Hilfe seines Analytikers seit über 50 Jahren bewältigt: Zweimal pro Woche hat er einen Termin bei ihm.

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