Schlechte Nachrichten vom E-Book-Markt

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Viel ist passiert auf dem E-Book-Markt in letzter Zeit. Ich versuche das Wichtigste für Sie zusammenzutragen.

So entschied der Europäische Gerichtshof, dass E-Books keinem günstigeren Mehrwertsteuersatz unterliegen. Dagegen gilt für gedruckte Bücher ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. In Deutschland muss man bei einem gedruckten Buch nur sieben Prozent gegenüber 19 Prozent bei einem E-Book zahlen. Damit würden Leser von E-Books schlechter gestellt als Leser von gedruckten Büchern, wie der Branchenverband Börsenverein des deutschen Buchhandels kritisierte. Selbst Hörbücher haben nur sieben Prozent Mehrwertsteueranteil in Deutschland. In der Tat ist schwer nachzuvollziehen, warum das Kulturgut Buch unterschiedlich besteuert werden soll, je nachdem in welcher Form es vorliegt.

Die zweite schlechte Nachricht für den deutschen E-Book-Markt lieferte die Gesellschaft für Konsumforschung. Sie stellte fest, dass die Steigerung des E-Book-Marktes im Gesamtjahr 2014 nur noch 7,6 Prozent ausmachte und das E-Book-Segment in Deutschland damit nur einen Marktanteil von 4,3 Prozent am Gesamtbuchmarkt erreicht. 2013 war das E-Book-Segment noch um 61 Prozent gewachsen. Wie die Entwicklung weitergeht, ist unklar. Hauptanteil der E-Books sind Unterhaltungsromane. Sie machen 84 Prozent der E-Book-Downloads aus. Andere Buch-Genres entwickeln sich kaum im E-Book-Segment. Tröstlich für den E-Book-Markt ist dabei nur, dass der Bereich Schul- und Fachbücher nicht untersucht wurde. Gerade im Fachbuchsegment haben E-Books einen viel höheren Buchmarkt-Umsatz-Anteil.

Damit in Zusammenhang steht die Tatsache, dass die E-Book-Preise tendenziell weiter sinken, während die Print-Buch-Preise weitgehend stabil bleiben. Im gedruckten Buchmarkt sind die Preise durch die Druck- und Papierkosten weniger flexibel als auf dem E-Book-Markt, in dem Selfpublisher die Preise von Verlagen stark unterbieten können. Andererseits zeigt diese Tatsache, dass die oben erwähnte GfK-Untersuchung anders aussähe, würde nur die Anzahl der verkauften Produkte von Print- und E-Book-Markt miteinander verglichen.

Ebenfalls schlechte Nachrichten erreichen die E-Book-Verlage aus Büchereien. Die kämpfen nämlich immer stärker dafür, E-Books zu gleichen Bedingungen wie gedruckte Bücher an ihrer Nutzer verleihen zu dürfen, auch ohne lästigen Gang in die Institution. E-Book-Leihe öffentlicher Bibliotheken, so die Angst der E-Book-Verlage, zerstöre ihre Finanzierungsbasis. Deshalb fehlen heute noch viele Titel im Angebot der Bibliotheken, vor allem die populären. Die Verlage lizensieren sie den Bibliotheken nicht. Und die Verleihe von E-Books ist streng nach dem Modell beim gedruckten Buch geregelt: Ist ein E-Book von einem Nutzer ausgeliehen, kann es die Bibliothek nicht an einen zweiten Nutzer weiterverleihen, obwohl natürlich technisch die Möglichkeit besteht. Deshalb fordern Büchereien immer vehementer eine Änderung des Urheberrechts und die Möglichkeit, grundsätzlich E-Book-Lizenzen erwerben zu können. So ist es bei gedruckten Büchern. Die können Büchereien ohne Einschränkung kaufen und verleihen. Denn die Bibliotheken sind es leid, erklären zu müssen, dass ein bestimmtes E-Book nicht im Programm ist oder nicht ein zweites Mal ausgeliehen werden kann. Pro E-Book-Leihe soll die Bibliothekstantieme genauso gezahlt werden wie bisher für die Ausleihe von gedruckten Büchern. Nur mit einem neuen Urheberrecht- und Lizensierungsmodell beim E-Book könne der Auftrag der Büchereien auch in Zukunft erfüllt werden, mit Informationen und Medien die demokratische Kultur Deutschlands zu stärken.

Der E-Book-Markt scheint härter zu werden. Vor allem für die Verlage, die E-Books veröffentlichen. Oder sind Sie anderer Meinung?

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