E-Books und die Zukunft von Autoren

Zukunft von Autoren

Wenn es um das Thema digitales Lesen geht, geht es meist um den E-Book-Markt, die Formate für E-Books, den Kopierschutz bei Digitaltexten oder die Zukunft des Reader- bzw. E-Book-Markts. Nur selten geht es im E-Book-Zusammenhang um die Zukunft von Autoren. Nur in speziellen Zirkeln und Communities ist die Zukunft der schreibenden Zunft im digitalen Zeitalter ein Thema. Der Digitalisierung können sich auch Schriftsteller nicht entziehen, dann der digitale Vertrieb ihrer Werke ist ein wachsender Baustein ihres Einkommens. Angesichts der Möglichkeiten illegal an E-Books zu gelangen, fürchten viele Autoren um ihren Lebensunterhalt. Aber auch andere Veränderungen beobachten Autoren mit Sorge.

Ein Thema dabei ist die Flutung des E-Book-Marktes mit vergriffenen Büchern und Werken. Da Kosten für die Lagerung von gedruckten Büchern und für den Herstellungsprozess (Manuskriptsichtung, Lektorat, Korrektur, Werbung etc.) entfallen, versuchen viele Verlage solche Werke erneut aufzulegen, denn sie sind bares Geld, das auf der Straße liegt und machen wenig Aufwand. Dazu kommt: Diese Werke sind erprobt, funktionieren auf dem Buchmarkt und beinhalten weniger Risiko als die meisten Neuerscheinungen. Der Preis dieser E-Books liegt natürlich auch deutlich unter dem Preis der früheren Printausgabe. Schwierig für Autoren,  dabei noch ordentlich Geld zu verdienen. Aber da dieses digitale „Moderne Antiquariat“ ein Zusatzgeschäft bedeutet, beschwert sich darüber kaum ein Autor.

Zukunft von AutorenDoch die E-Book-Preise sind schon das nächste Thema, das Autoren Magenschmerzen bereitet. Denn die Preise von E-Books sind deutlich günstiger als die der meisten gedruckten Bücher. Und Fachleute meinen, dass sie weiter sinken werden. Möglicherweise wird das Onleih-Modell den Kauf von Büchern ersetzen. Zwar gibt es diese Onleihe schon, doch durchgesetzt hat sie sich noch nicht. Für Autoren bedeutet die Digitalisierung ihrer Texte zu E-Books folgende Rechnung: Die meisten E-Book-Vertriebe im Netz nehmen sich von den Endpreisen eine Marge zwischen 20 und 30 Prozent, den Rest der Endpreise teilen sich Verlage und Autoren zur Hälfte. Das bedeutet bei einem Preis für ein E-Book von etwa fünf Euro – grob gerechnet -, dass der Vertrieb etwa 1, 25 € einbehält, für Autor und Verlag etwa noch 1,88 € verbleiben. Die gleiche Rechnung für ein Taschenbuch von 9,90 € ergibt zwar für den Autor bei einer Erfolgsbeteiligung zwar nur 0,99 €, doch druckt der Verlag meist mehrere Tausend Bücher, die honoriert werden müssen. Bei einer realistischen Auflage von 5.000 Büchern sind das für den Autor knapp 5.000 Euro. Um so viel Geld mit dem entsprechenden E-Book zu verdienen, müsste der Autor etwa 2.650 Exemplare des E-Books verkaufen. Das aber kann dauern, denn die Auswahl in den E-Book-Shops übersteigt die Auswahl selbst größerer Buchhandlungen um einige Hunderttausend Titel und das E-Book-Angebot wird ins Millionenfache wachsen, weil durch Selfpublishing jeder die Möglichkeit hat, sein E-Book ohne Verlag in einem E-Book-Portal einzustellen. Da diese E-Books wegen der geringen Kosten für ihre Einbindung in E-Book-Shops viel länger im Programm bleiben als gedruckte Bücher,
wächst die Konkurrenz für einen einzelnen Titel ins Grenzenlose.

Das empfinden viele Autoren als Bedrohung ihres Berufes. Denn die Verlage konzentrieren sich angesichts der steigenden Konkurrenz auf die Bewerbung breitenwirksamer Spitzentitel und verlieren B- und C-Autoren aus den Augen. B- und C-Autoren müssen nicht schlechter schreiben als A-Autoren, aber sie erhalten wegen ihres Themas oder ihrer Selbstvermarktungsfähigkeiten immer weniger Aufmerksamkeit. Apropos Selbstvermarktung: Ohne Selbstvermarktung von Autoren „geht“ auf dem Buchmarkt immer weniger. Autoren müssen heute nicht mehr nur schreiben, sondern auch auf Facebook, Google+, Buchcommunities präsent sein. Sie sollen lesend durch die Buchhandlungen der Republik touren, Literaturpreise einheimsen, ein Blog zur ihrem Schaffensprozess führen und und und.

Was Autoren noch mehr schmerzt als eine zunehmende Arbeitsbelastung, ist die Tatsache, dass es im digitalen Zeitalter nur noch wenige Verkaufsplattformen für ihre Bücher gibt. In Deutschland sind das im Wesentlichen Amazon, die tolino-Allianz von Weltbild und anderen und Apple mit iTunes. Alle anderen digitalen Vertriebswege haben für den Geldbeutel eines Autoren nur homöopathische Wirkung. Besonders der Umsatz mit Amazon erschreckt immer öfter die Autoren. Angeblich machen die meisten Autoren allein mit Amazon 60 Prozent ihres E-Book-Umsatzes. Das aber ist schon eine sehr starke Abhängigkeit. Und jederzeit kann Amazon das E-Book-Sortiment so gestalten, dass ein Autor das schmerzlich beim Blick auf seine Einkünfte spürt. Noch allerdings ist gegen diese Abhängigkeit kein Kraut gewachsen. Während früher ein Buch in zigtausend Buchhandlungen vorrätig sein konnte, das Autorenrisiko also auf viele Schultern verteilt war, sind ein paar Große, die das Geld für die Investitionen in den E-Book-Markt hatten, zu Herren des Buchmarktes geworden, die den Daumen heben oder senken. Das werden Flatrate-Modelle wie in der Musikbranche nicht ändern. Immer weniger Autoren werden immer größere Umsätze feiern, während es der „Mittelstand“ der Autoren, die zwar nie ganz groß rauskamen, aber auskömmlich von ihren Werken leben konnten, immer schwerer haben wird.

Der E-Book-Markt mag für Autoren ideal sein, die nicht von ihrer Arbeit leben müssen, etwas ausprobieren wollen, ein gutes Netzwerk haben, sich neben ihrer eigentlichen Arbeit einen Namen machen möchten, aber ob der boomende E-Book-Markt so viele Autoren oder mit dem Buch beschäftigte Menschen ernähren kann wie der klassische Buchhandel, darf mit Recht bezweifelt werden. Doch von Kulturarbeit zu leben war schon immer  schwerer und ungleich weniger einträglich als in der Versicherungsbranche oder dem Maschinenbau. Ohne Begeisterung  Quersubventionierung aus anderen Tätigkeiten lief schon früher wenig. Die Notwendigkeit anderer Einnahmequellen wird bei Autoren zunehmen und die Frustrationstoleranz wird wachsen müssen.

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