Hilary Mantel, Von Geist und Geistern

Hilary Mantel, englische Schriftstellerin, Kritikerin und Juristin, wuchs in einer großen irisch-katholischen Familie auf. So die deutschsprachige Wikipedia. Wenn ich das lese, kann ich erahnen, was das an Verletzungen, Leiden und Lebensthemen bedeutet. Jetzt ist ihre Autobiographie Von Geist und Geistern erschienen. Eine Nacht voller Schreie.

Katholischer Gulag

Mantel ist nicht beunruhigt, wenn sie Dinge sieht, die nicht da sind. Sie hat Visionen und erzählt davon, als sei es nichts Besonderes. Ihre Welt ist voller Lücken, Sehstörungen, goldener Blitze, Halluzinationen … Ihre Gefühle zur Vergangenheit erscheinen undurchdringlich und vernebelt, durchsetzt mit Barbiturat-Pillen. Hilary Mantel blickt zurück und erkennt die Geister anderer Leben, die sie hätte führen können. Kinder hätte sie haben können, die sie nicht bekommen hat.

Von Geist und GeisternDie katholische Kirche zwang sie zu glauben, etwas Falsches getan zu haben. Etwas, das sich nicht in Ordnung bringen ließ und keine Erlösung fand. Ständige Einschnürung, systematisches Unterdrücken jeglicher Spontaneität. Mantel fühlte sich wie unter Geistesgestörten, bösartigen und dummen Menschen. Wärtern. Sie brauchte Unmengen von Energie, um ihre eigenen Gedanken wenigstens einigermaßen klar zu halten. Ansonsten fürchtete sie ausgelöscht zu werden.

Ich frage mich, wie eine Frau aus einfachsten Verhältnissen und mit dem bedrückenden Erlebnis der irisch-katholischen Erziehung die Kraft fand, zigmal im literarischen Leben Englands zu triumphieren, wie sie es schaffte, aus ihrem „unordentlichen“ Leben heraus, ihrer schwer beschädigten Seele historische Meisterwerke zu veröffentlichen. Sie hat ihre Kindheit im katholischen Gulag verbracht, wie er heute kaum mehr vorstellbar ist. Dazu kommt noch die Endometriose, Schleimhautwucherungen in Organen und Körperhöhlen, die ihren Körper in ein Gefängnis voller Schmerzen verwandeln.

Schriftstellerei als Rettung

Von Geist und Geistern hat also nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist die Schilderung von schmerzhaftesten Selbsterfahrungen – von falschen Diagnosen über die Behandlung mit „falschen“ Psychopharmaka oder die Einweisung in die Psychiatrie. Deutlich wird dabei, wie ihre Romanideen aus dem lebensgeschichtlichen Hintergrund hochwachsen. Das mag ihre Rettung gewesen sein: Dass sie lebenslang gegen ihre Krankheiten kämpfte und mit Härte und Durchsetzungswillen ihren Rang in der Literatur errang – ohne sich dabei zu verhärten. Aber sie weiß: Wenn sie nicht krank und katholisch verbogen worden wäre, hätte sie noch mehr erreichen können.

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Nacht im Central Park von Guillaume Musso

Was uns Guillaume Musso hier zumutet, entpuppt sich definitiv als Alptraum der Premium-Klasse: New York, acht Uhr morgens. Alice, eine Polizistin aus Paris, und Gabriel, ein amerikanischer Jazzpianist, wachen auf einer Bank im Central Park auf mit Handschellen aneinandergefesselt. Sie kennen sich nicht und können sich nicht daran erinnern, sich schon einmal gesehen zu haben. In der Nacht zuvor ist Alice mit Freundinnen auf den Champs-Elysées ausgegangen, Gabriel hat in einem Club in Dublin Klavier gespielt.
Wie konnten sie in nur so kurzer Zeit nach Amerika gelangen? Wurden sie mit einem Privatjet entführt? Von wem stammen die Blutflecken auf Alice‘ T-Shirt? Warum trägt sie eine fremde Waffe, in der eine Kugel fehlt? Alice und Gabriel bleibt nichts anderes übrig, als gemeinsam herauszufinden, was passiert ist. Ihre Suche führt sie auf die Spur eines Serienmörders, der Alice schon einmal um ein Haar das Leben gekostet hätte, und nun ein weiteres Mal ihr Leben aus den Angeln hebt. Doch auch der Jazzer hat ein ungewöhnliches Geheimnis.

Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren, ist Dozent und Gymnasiallehrer. Nebenbei auch einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Frankreichs. Er bekennt sich dazu, Romane schreiben zu wollen, die Leser nicht mehr aus der Hand legen können. Das erreicht er, indem er komplexe Figuren schafft, Figuren, um die man bangen kann. Und indem er den Leser von einem Punkt an den anderen jagt, Lösungen anbahnt und doch wieder Holzwege gehen lässt.

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Malte Herwig, Die Frau, die Nein sagt

Rebellin, Muse, Malerin: Françoise Gilot über ihr Leben mit und ohne Picasso. Françoise Gilot und Picasso waren zehn Jahre ein Paar, bevor sie mit den gemeinsamen beiden Kindern auszog, um Claude und Paloma vor dem Künstler-Despoten zu schützen und in Freiheit ein neues Leben zu beginnen. Vor dem Gott der Kunst, der oft unausstehlich war, aber von seiner Familie verlangte, das in Kauf zu nehmen, flüchtete sie. Picasso hatte zuvor um sie gekämpft, ihr prophezeit, niemand würde sich für sie interessieren, wenn sie nicht mehr an seiner Seite lebte. Ohne ihn sei sie nichts. Aber sie besaß den Mut, sich aus seinem Schatten zu lösen, sich nicht mehr klaglos für ihn zu opfern. Und sie spürte, dass Picasso nur seine Angst vor Einsamkeit zu bewältigen suchte.

Françoise Gilot wiedersetzt sich Picasso

Bisher hatte es Picasso immer verstanden, sich Frauen abhängig zu machen und zu seiner Verfügung zu halten. Doch Françoise Gilot widersetzte sich, wurde ihm zur „Frau, die Nein sagt“. Das hatte nichts mit Picassos ständigen Eskapaden und Seitensprüngen zu tun. Das hatte sie akzeptiert, geduldet und sogar die Mutterrolle übernommen – nach langem Drängen. So versuchte sie Picasso an sich zu binden. Mit 22 Jahren entdeckte er sie als seine Muse und formte sie. Damit glaubte er das Recht zu haben, sie in allem zu bestimmen. Die Frau, die Nein sagt beleidigte sein Schicksal mit ihrem Auszug. Unendliches Selbstmitleid überfiel Picasso. Nie hätte er gedacht, dass sie ihn wirklich verlässt und ein eigenes Leben führt. 1953 musste Picasso Weihnachten ohne seine Familie feiern. Liebe und Kommunikation zwischen den beiden war an ihr Ende gekommen. Und die intellektuelle Unabhängigkeit, die Gilot suchte, konnte ihr Picasso nicht schenken.

Françoise Gilot als Vorbild freien Lebens

Françoise Gilot überlebte Picasso um Jahrzehnte. Noch mit 90 malte sie jeden Tag. Schon morgens in Pyjama und Pantoffeln. „Zum Malen brauchst du Leidenschaft, du musst in Schwung kommen und den Vogel Zweifel von der Schulter scheuchen“, erklärte sie ihrem Biographen Malte Herwig, der für die FAZ und die Süddeutsche schreibt. Geboren 1921 in Neuilly-sur-Seine sollte sie eigentlich die juristische Laufbahn einschlagen, doch wandte sie sich schon 1938 der Malerei zu und stellte 1943 zum ersten Mal aus. Auf dieser Ausstellung lernte sie den 40 Jahre älteren Picasso kennen und die beiden wurden schnell ein Paar. Nach der Trennung 1953 versuchte Picasso Gilot zu bannen, untersagte Pariser Galerien ihre Werke auszustellen, versuchte ein Buch über ihr Leben mit ihm zu untersagen, brach schließlich jeden Kontakt zu ihr ab. Dennoch konnte sie ein kreatives, erfülltes und produktives Leben führen. Aus Selbstachtung und Selbstfürsorge.

Malte Herwig und Françoise Gilot nähern sich in dem Buch Die Frau, die Nein sagt, zentralen Fragen des Lebens: Worauf kommt es wirklich an? Was bedeutet Glück und was spendet Zufriedenheit? Es ist ein Buch über die Kunst. Und über die Kunst eines erfüllten Lebens. Es geht also nicht nur um Begebenheiten der Vergangenheit, sondern um Lebensmaximen einer starken eigenständigen Frau, die immer ihren persönlichen Weg ging und der selbst ein Monument wie Picasso die Lebenslust nicht stehlen konnte.

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Elon Musk: Wie Elon Musk die Welt verändert

Er gehört in die Riege der erfolgreichsten US-amerikanischen Unternehmer. Dabei wurde Elon Musk 1971 in Südafrika geboren. Bekannter als seine Person sind die Unternehmen, die er gründete: PayPal, SolarCity, Tesla Motors und SpaceX. Alle diese Unternehmen zog er auf, um Visionen zu verwirklichen: den Internetdienst, um das Bezahlen im Netz zu vereinfachen, das Solarstromunternehmen und den Elektroautobauer, um die Umwelt zu entlasten und das Raumfahrtunternehmen, um eine private Raumfahrtindustrie zu verwirklichen. In der Internetindustrie schuf sich Elon Musk die finanzielle Basis, um später technisch komplexe Produkte billig und in Massenfertigung angehen zu können. Und sein Ehrgeiz und seine Ideen scheinen keine Grenzen zu kennen. Unter dem Titel Hyperloop stellte er gerade ein neues Projekt für den Personen- und Güterverkehr auf Fernstrecken vor: In Doppelröhren sollen abgeschlossene Kapseln auf Luftkissen mit mehr als Überschallgeschwindigkeit Hunderte von Kilometern unter der Erde transportiert werden. 2017 will er Hyperloop schon testen.

Sicher gehört Elon Musk heute zu den einflussreichsten Menschen des Planeten. Mit einem Vermögen von mehr als 13 Milliarden US-Dollar nimmt er weltweit auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen Einfluss. Angeblich will der von unbändiger Arbeitswut und dem Willen die Menschheit zu retten Getriebene Elon Musk auf dem Mars sterben. Klingt etwas nach Science-Fiction, aber bislang sind seine ehrgeizigen Ziele aufgegangen. Ashlee Vance legte jetzt die beeindruckende Biographie eines Mannes vor, der neben Gates oder Jobs das Heute prägt.

Elon Musk: Biographie von Ashlee Vance

TeslaDabei geht Vance von der Dotcom-Blase des Jahres 2000 aus und zeigt, wie Musk gerade in dieser schwierigen Phase des Geschäfts eine stärkere Risikobereitschaft an den Tag legt als andere. Elon Musk – Erfinder und da Vinci des 21. Jahrhunderts. Seine Firmengründungen lesen sich wie das Who s who der zukunftsträchtigsten Unternehmen der Welt. Alles, was dieser Mann anfasst, scheint zu Gold zu werden. Ein Querdenker, der inspiriert und als einer der größten Unternehmer seit Thomas Edison, Henry Ford oder Howard Hughes erscheint. In einem Umfang wie noch kein Journalist zuvor hatte Ashlee Vance für diese Biografie exklusiven und direkten Zugang zu Elon Musk, seinem familiären Umfeld und persönlichen Freunden.

Elon Musk ist im Silicon Valley groß geworden. Das zeigt sich in seiner schnellen und unkonventionellen Arbeitsweise, die er auch von seinen Mitarbeitern abverlangt, um anders als die Konkurrenz das Unmögliche zu probieren und zu schaffen. „Ich würde gerne im Wissen sterben, dass die Menschheit eine rosige Zukunft hat“, bekennt der Milliardär. Deshalb bedauert er es, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Damit dürfte er einer der ambitioniertesten Unternehmer der Welt sein. Oder, wie andere meinen, ein Großmaul, das größenwahnsinnig ist. Doch die vorgelegte Biographie zeigt, das Elon Musk oft genug auf die Nase gefallen ist und immer wieder aufstieg. Er selbst meint dazu, dass nur derjenige innovativ sein kann, der viele Herausforderungen zu bestehen hatte. Sympathisch, wie er seine Angst zu versagen bekennt. Und gleichzeitig glaubt, zu noch mehr fähig zu sein, als er realisieren kann. Als Meister der Kunst, andere Menschen für seine Ideen zu begeistern, schafft er es, seine Visionen zu potenzieren. Und so lange es Elon Musk schafft, Schuldscheine auf die Zukunft auszustellen, Menschen daran glauben machen kann, dass er die Welt wirklich zum Besseren verändern kann, so lange wird er erfolgreich sein.

Das Buch Elon Musk kann für jeden von uns eine Anregung sein, sich höhere Ziele zu setzen, ja verrückte Ziele: Sind Sie bereit?

On the move von Oliver Sacks

On the Move. In Bewegung. Ja, Oliver Sacks hat ein bewegtes Leben hinter sich. Und bis heute ist der Dichterarzt, Neurologe und Schriftsteller, in Bewegung und unterwegs. Schon in der Kindheit entwickelte der 1933 in England geborene Medizinersohn einen unbändigen Bewegungsdrang. In seiner jetzt erschienenen Autobiographie führt er das auf das Eingesperrtsein und das Machtlosigkeitsgefühl in einem Internat zurück. Mit 18 legte er sich ein Motorrad zu, um das Gefühl von Freiheit auszuleben. Motorräder begleiteten ihn von da an durch sein gesamtes Leben.

On the move als Abschied vom Leben

on the move kleinOliver Sacks hat Leberkrebs. On the Move ist als Abschied von seinem Leben zu lesen. Ein Buch, in dem an vielen Stellen Dankbarkeit für seinen Lebensweg aufscheint, nicht die Angst vor dem Sterben oder dem Tod. In den eigenen Worten Sacks: „Ich habe geliebt und bin geliebt worden; mir wurde viel gegeben und ich habe etwas zurückgegeben; ich habe gelesen und bin gereist und habe gedacht und geschrieben.“ So einfach scheint es zu sein, zufrieden auf ein ganzes Leben zurückzublicken!

Drei Lebensphasen Sacks prägen sich beim Lesen ein: die enge und düstere Welt des Großbritannien der Nachkriegszeit, das nonkonformistische Kalifornien der 1960er und das quicklebendige New York, wo Oliver Sacks noch heute lebt. Und spätestens jetzt wird klar, dass im Leben des weltberühmten Neurologen nicht alles so glatt lief, wie es scheint. Da war z. B. seine homosexuelle Orientierung. Damit hatte er bis ins hohe Alter Schwierigkeiten. Er selbst war oft Patient bei anderen Ärzten: wegen seiner Drogensucht, wegen unerfüllter Liebe und wegen selbstzerstörerischen Exzessen. Er schreibt, dass er Hells Angel-Mitglied war, analysiert in seiner Autobiographie im Grunde seinen eigenen Fall. Und das so fesselnd wie in seinen früheren Büchern, die ihm Übersetzungen in mehr als zwanzig Sprachen einbrachten und ihn manche Literaturpreise einheimsen ließen.

Oliver Sacks – medizinischer Bestsellerautor

Er schrieb über die Parkinson-Krankheit, das Tourette-Syndrom, den Autismus, die Agnosie und Gehörlosigkeit. Themen waren physische Veränderungen im Gehirn, die psychische Störungen hervorriefen. Spannend schilderte der medizinische Bestsellerautor, wie unsere Realität im Gehirn entsteht und wie schnell sie gestört sein kann. Schon die Titel seiner Bücher machen neugierig: „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte, Der Tag, an dem mein Bein fortging, Die Insel der Farbenblinden, Die feine New Yorker Farngesellschaft … Störungen, Krankheiten, Abweichungen vom Normalen – das ist für Oliver Sacks normal. Er gibt ihnen einen Titel Wie Charles-Bonnet-Syndrom“ und schon sind sie für die Betroffenen nicht mehr so furchterregend wie zuvor. Wir halluzinieren eben bzw. das Gehirn tut das für uns. Sacks Fallgeschichten aus der eigenen Praxis, seinem eigenen Erleben, seinem Fachwissen und historischen Fällen befreiten Halluzinierende von dem Stigma, sie seien verrückt. Es gibt keinen Grund, solche beängstigenden Wahrnehmungen zu verschweigen.

On the move – authentisch und offen

On the move knüpft an Sacks 2001 veröffentlichte Kindheits- und Jugenderinnerungen Onkel Wolfram an und springt gleich in seine ersten Erwachsenenjahre, in denen die Verurteilung seiner Homosexualität durch seine Mutter lebensprägend wirkte: „Du bist ein Gräuel. Ich wünschte, du wärest nie geboren worden.“ Nie konnte sich Oliver Sacks deshalb von seinen Hemmungen und Schuldgefühlen befreien, wenn er seine Sexualität lebte. Und er ging viele berufliche Irrwege, wurde in der Wissenschaftsgemeinde abgelehnt oder angegriffen, er missbrauche Patientenschicksale für seine literarische Karriere. Überraschend offen bekennt er nach seiner letzten Liebesbeziehung 35 Jahre keinen Sex gehabt zu haben …

On the move. In Bewegung. Oliver Sacks zeigt uns sein intensives Leben, das er mit Hilfe seines Analytikers seit über 50 Jahren bewältigt: Zweimal pro Woche hat er einen Termin bei ihm.

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Israel ist an allem schuld von Schapira/Hafner

Israel ist an allem schuld. Warum der Judenstaat so gehasst wird. Das versuchen Georg M. Hafner und Esther Schapira zu klären. Esther Schapira ist eine deutsche Journalistin und Filmemacherin, die 2007 zusammen mit dem Mitautor Georg M. Hafner die Buber-Rosenzweig-Medaille erhielt. Schon früher veröffentlichten die beiden Autoren gemeinsam, etwa Die Akte Alois Brunner. Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist. Mit dem Buch Israel ist an allem schuld wenden sich Schapira und Hafner der jüdischen Gegenwart zu.

Israel ist an allem schuld und deutscher Antisemitismus

Das Buch Israel ist an allem schuld entstand aus dem Plan, ein Schwarzbuch über den Antisemitismus zu veröffentlichen. Doch aktuelle Entwicklungen ließen den Plan in eine andere Richtung wachsen. Immer öfter hörten die Autoren den Satz „Man wird doch wohl noch Israel kritisieren dürfen, ohne Antisemit zu sein“. Der Satz liegt in etwa auf der Ebene „Man wird doch wohl gegen die Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen in Deutschland sein dürfen, ohne rechtsradikal zu sein“. Beide Sätze drücken Halbwahrheiten aus. Jedenfalls glauben Hafner und Schapira, dass der auf Israel bezogene Satz nur dazu dient, den eigenen Antisemitismus zu kaschieren. Viele Deutsche hätten Methoden der Tarnung entwickelt, um ihren immer noch verankerten Antisemitismus an den Mann oder die Frau zu bringen.

Legitime und illegitime Israelkritik

Gibt es also keine legitime Israelkritik? Wo ist der Unterschied zur antisemitischen Israelkritik, die Leute wie Grass, Walser und Augstein salonfähig gemacht hätten. Im Gegensatz zu den Juden hätten in den letzten Jahren die Palästinenser jede Sympathieschlacht gewonnen. Egal, ob sie Menschen auf Verdacht hinrichten, Schwule verfolgen, Ehrenmorde begehen, korrupt sind, menschliche Schutzschilde benutzen. In Deutschland würde Israel abgesprochen, sich gegen palästinensische Terroristen wehren zu dürfen, denn Terroranschläge gegen Israel seien nur ein Beweis für die verzweifelte Situation der Palästinenser. Um herauszufinden, ob Israelkritik legitim oder antisemitistisch ist, sollte man laut den Autoren drei Fragen stellen. Wird Israel dämonisiert?, Wird Israels Politik oder gar Existenz delegitimiert? Misst man, wenn es um Israel geht, mit doppelten Maßstäben?

Egal ob Politik oder Kirche: Verdeckter Antisemitismus ist in der kulturellen Elite Deutschlands an vielen Stellen nachzuweisen. Man ruft zum Boykott israelischer Waren auf, weil Israel die Palästinenser unterdrücke. Es ist perfide, dass hierzulande Juden für den Terror andere verantwortlich gemacht werden. Das geht auf nationalsozialistische Denkmuster zurück. Auch die Nazis sahen die Juden als Täter, nicht als Opfer. Dabei müsste Israel um sein nacktes Überleben kämpfen. Dass sich die Juden auf dem Hintergrund von Holocaust und Vertreibungen aus Europa, die ins Mittelalter zurückgehen, an ihren Staat Israel klammern und ihn gegen Feinde mit Gewalt verteidigen, müsste eigentlich auf der Hand liegen. Dass das gerade Deutsche nicht verstehen, erscheint Schapira und Hafner zynisch.

Israel ist an allem schuld erschien pünktlich zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Es ist ein Buch, das provoziert, zeigt es doch, welch einseitig verzerrtes Bild die Deutschen sich vom Nahostkonflikt machen. Ob das damit zu tun hat, dass sich die Täter von einst ein als unerträglich empfundenes Schuldgefühl vom Hals schaffen wollen, indem sie mehr und mehr auf das Schuldkonto des existierenden Staates Israel buchen? „Ich bin ja kein Antisemit, aber …“

Alles Licht, das wir nicht sehen von Anthony Doerr

Ich sollte mir den Namen Anthony Doerr einprägen. Nach der Veröffentlichung von Alles Licht, das wir nicht sehen allemal. Obwohl es schon in den letzten Jahren Gründe gegeben hätte, auf den 1973 in Cleveland, Ohio, geborenen amerikanischen Schriftsteller aufmerksam zu werden. Denn in seiner Heimat erhielt er schon den Barnes & Noble Discover Prize, den Young Lions Fiction Award der New York Public Library, den The Story Prize, den Rome Prize …

Pulitzer-Preis für Alles Licht, das wir nicht sehen

Doerrs neues Buch Alles Licht, das wir nicht sehen kam unter die Finalisten für den National Book Award und errang den Pulitzer-Preis für Belletristik. In der New York Times-Bestsellerliste stand das Buch auf Platz eins. Kurz, worum es in dem Roman geht, der 1944 in Saint-Malo seinen Ausgangspunkt hat. Marie-Laure ist ein junges, blindes Mädchen, das mit ihrem Vater, der am „Muséum National d’Histoire Naturelle“ arbeitete, aus dem von der Wehrmacht besetzten Paris floh, um bei ihrem kauzigen Onkel in der Stadt am Meer Zuflucht zu finden. Einst hatte der ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos, das ihr der Vater erneut zur Orientierung bastelte, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, in dem der Vater arbeitete. Nach diesem Schatz jagen die Nazis. Als diese Marie-Laures Vater aufspüren, verschleppen ihn die Deutschen und verhören ihn wegen des gesuchten Schatzes.

altes Saint-Malo

Etienne, so heißt Marie-Laures Onkel, gehört zur Résistance. Mit einem selbstgebastelten Sender versorgt er sie mit Meldungen über den deutschen Feind. An dieser Stelle kommt Werner Hausner ins Spiel. Einst ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wurde er von den Nazis wegen seiner technischen Begabung gefördert und auf einer Napola gedrillt. Jetzt gehört er zu einer Wehrmachtseinheit, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Werners Einheit dringt auf der Suche nach dem Widerstandssender nach Saint-Malo vor. Hier kreuzen sich für einen folgenreichen Moment die jungen Lebenswege von Marie-Laure und Werner.

Anthony Doerrs Kunst

Was besonders auffällt an dem Buch ist die gute Beobachtungsgabe von Anthony Doerr für die Gefühle der Menschen. Dazu verwendet er eine poetische und bildreiche Sprache, die nicht abgenutzt wirkt. Momentaufnahmen aus dem Leben der beiden Hauptfiguren beschreibt Doerr aus deren Sicht. Besonders die blinde Marie-Laurie besitzt eine eigene Wahrnehmung der Dinge. Der Leser erlebt Zeitsprünge, die für Spannung sorgen, ohne zu verwirren. Zur Spannung tragen auch die historischen Entwicklungen, die geschildert werden, und die Entwicklung der vielschichtigen Hauptpersonen bei. Symbole wie das Licht und der Schlüssel ziehen sich wie ein roter Faden durch wichtige Stellen der Schilderung. Während der Krieg Talente von Menschen benutzt, um das Böse zu verwirklichen, wirken die Menschlichkeit und Liebe der Geschichte wie Licht in dunkler Zeit. Sie entwickeln einen hypnotischen Sog, dem sich der Leser von Alles Licht, das wir nicht sehen kaum entziehen kann.

Saint-Malo 1944

Siri Hustvedt, Die gleißende Welt

Gleißen ist ein dichterisches Wort. Ein Wort, das auf die Rote Liste gefährdeter Wörter gehört, denn wer sagt schon „Die Sonne gleißt über der Küste“ oder „Es ist gleißend hell“? Kein Wunder: Das Wort kommt aus dem Mittel- bzw. Althochdeutschen, wo es ursprünglich wohl „blank“ oder „glatt sein“ bedeutete. Lang, lang ist´s her. Heute würde ich wohl funkeln, glänzen, glitzern, blenden oder leuchten sagen, wenn ich gleißen meine. Die gleißende Welt also die leuchtende Welt. Wie kommt ein gerade erst erschienenes Buch dann zu einem so altertümlichen Titel wie Die gleißende Welt?

Rowohlt, der Verlag, der das Buch von Siri Hustvedt im Deutschen veröffentlichte, erklärt es so: Die gleißende Welt war der Titel eines utopischen Romans von Margaret Cavendish. Margaret Cavendish, Duchess of Newcastle, geboren 1623, gestorben 1673, war eine der ersten Frauen überhaupt, die unter ihrem eigenen Namen publizierten. Sie schrieb über Geschlechter- und Machtfragen, korrektes Benehmen, die Naturphilosophie – und eben den Roman Die gleißende Welt. An dieser Stelle beginn die Fiktion von Siri Hustvedt.

Die Geschichte in Die gleißende Welt

Ihr Buch Die gleißende Welt führt Harriet Burden als Witwe eines bedeutenden New Yorker Galeristen ein. Sie ist nichts als die Frau an der Seite ihres berühmten Mannes. Bis der viel zu früh stirbt. Harriet Burden nimmt sich die frühe Wissenschaftlerin und Dichterin Margaret Cavendish als Vorbild und spielt ein Spiel oder führt ein Experiment durch. Mitten in der Kunstwelt, deren Chauvinismus sie vorführen will. Entwickelt wird die Geschichte aus der Sicht einer Kunsthistorikerin, die 2004 in New York das Leben der erst vor kurzem verstorbenen hochbegabten Künstlerin Harriet Burden aufarbeiten will, dabei aber ein Puzzlespiel von chaotischen Tagebucheinträgen, Protokollen über Projekte und Gespräche vorfindet. Im Zusammensetzen der Lebensgeschichte von Harriet Burden wird der Kunsthistorikerin die Doppelbödigkeit dieses Lebens deutlich. Harriet Burden, so die Forschungsergebnisse der Kunsthistorikerin, wollte nach dem Tod ihres Mannes ihre eigene Kunst erfolgreich sehen und gleichzeitig zeigen, dass die moderne Kunstwelt frauenfeindlich ist, da sie Werke von männlichen Künstlern höher bewertet als von Frauen. Drei Kollegen stellten die Burden-Installationen unter ihrem eigenen Namen aus. Harriet Burden benutzte die Männer als Masken. Und schon die Griechen wussten, dass Masken ein Mittel der Enthüllung im Theater sind, nicht ein Mittel der Verkleidung. Mit zwei der Künstler gelang Harriet Burden genau das, was sie wollte: Ihre Burden-Installationen hatten Erfolg und zeigten, dass Werke eines Mannes besser ankommen als Werke einer Frau. Mit dem dritten Mann allerdings geriet ihr das Experiment außer Kontrolle. Er durchkreuzte ihr Rollenspiel und setzte sein eigenes dagegen.

Die gleißende Welt und ihr Hintergrund

Siri Hustvedt geht es in dem Buch um die Macht von Vorurteilen, Begierden, Geld und Ruhm. Dabei ist ihre Hauptfigur Harriet Burden sehr komplex angelegt. Nicht klar ist, ob sie gesehen werden wollte oder nur über ihre Kunst erscheinen wollte. Nicht klar ist, ob sie sich den Platz an der Seite des berühmten Mannes selbst suchte oder sie ihr Mann in seinen Schatten stellte. Zwar hat sie Launen und ein starkes Ego, aber sie ist gleichzeitig einsam und sensibel. Die ZEIT entdeckt zwischen Harriet Burden und Siri Hustvedt Parallelen: Auch Hustvedt habe lange Jahre gebraucht, um nicht mehr als Anhängsel ihres Mannes Paul Auster wahrgenommen zu werden. Sie sei somit eine Widergängerin der Herzog von Newcastle. Ob das so einfach ist? Vielleicht hatte sie nur immer wieder reichliche Gelegenheiten, die unterschiedliche Rezeption weiblicher und männlicher Künstler zu beobachten.

Das Buch Die gleißende Welt von Siri Hustvedt wurde 2014 für den Man Booker Preis vorgeschlagen. Imagepflege, vorgeformte Rollenbilder, Kampf um Anerkennung – das Drama einer intellektuellen, aber verkannten Künstlerin breitet sich aus. Dafür Beispiele in der Wirklichkeit zu finden, ist kein Problem. Über eine solche Künstlerin schrieb Hustvedt in dem Essayband „Leben, Denken, Schauen“ einen Beitrag: Louise Bourgeois. Ist das Buch also ein feministisches Manifest? Nein, dazu ist es viel zu vielschichtig – psychologisch und philosophisch. So vielschichtig wie unsere komplexe Gegenwart!

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Thilo Bode, Die Freihandelslüge

Worum es in dem Buch Die Freihandelslüge von Thilo Bode geht ist schnell erklärt. Auf einen Nenner gebracht soll das angestrebte Freihandelsabkommen zwischen Amerika und der EU Verbraucherrechte und Umweltstandards, die in Europa gelten, gefährden. Auch Arbeitnehmerrechte seien in Gefahr, weil sie mehr von der Gnade der Konzerne abhängen würden, wenn TTIP, so der abgekürzte Name für das diskutierte Abkommen, Gesetz wird. Oder noch zugespitzter formuliert: TTIP nutze nur den Konzernen, schade aber allen Bürgern.

Die Freihandellüge – ein seriöses Buch

Das Buch erschien in der angesehenen Deutschen Verlags-Anstalt München. Schon das zeigt, dass es sich nicht um irgendein Buch oder irgendeine unwichtige Meinung zu TTIP handelt. Das würde die Deutsche Verlags-Anstalt nicht veröffentlichen. Und der Autor Thilo Bode ist nicht irgendwer. Der studierte Soziologe und Volkswirtschaftler arbeitete viele Jahre in der Industrie, bevor er von 1989 bis 1995 Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland und danach bis 2001 von Greenpeace International war. Ein Jahr später gründete er Foodwatch und mischt sich, das Buch beweist es, immer wieder ein, wenn er die Umwelt, Verbraucher- oder Menschenrechte gefährdet sieht. Das macht ihm natürlich nicht nur Freunde. Eine Gegnerin ist z. B. Ilse Aigner von der CSU, die ihm vorwirft, er schüre ein Klima der Verunsicherung, um Spendengelder und Mitglieder für Foodwatch zu gewinnen. Gerade auf dem Gebiet Nahrungsindustrie deckte Thilo Bode mit seinen Veröffentlichungen Abgespeist oder Die Essensfälscher auf, wie wir von den Nahrungsmittelkonzernen betrogen werden und was wir dagegen tun können. Unverständlich deshalb, dass gerade eine Landwirtschafts- und Verbraucherministerin Thilo Bode kritisiert. Ein Klima der Verunsicherung und Ablehnung des Bestehenden ist doch die Basis für Verbesserungen.

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Die Freihandelslüge und ihre zwei Teile

Zwei Teile hat das Buch Die Freihandelslüge. Im ersten Teil erklärt Thilo Bode, was TTIP eigentlich ist. Für ihn bedeutet TTIP die Unterwerfung der Politik unter Konzerninteressen. Hart formuliert würden Parlamente entmachtet, weshalb Bode TTIP als Angriff auf die Demokratie deutet. Es würden Konzerninteressen zu Gesetzen und die Lobbyisten hätten es nach Unterzeichnung von TTIP noch leichter als bisher, die Politik zu steuern. Für Investoren bedeute der Vertrag gar eine Paralleljustiz, die sie besser stellt als jeden Bürger. Dem Volk wird TTIP dadurch verkauft, dass man auf mehr Arbeitsplätze und Wachstum der Wirtschaft durch TTIP setzt. Doch das sei ein Märchen. Der zweite Buchteil widmet sich der Frage, wie TTIP in unseren Alltag eingreifen würde, wenn das Kartell der Verharmloser die Verträge durchsetzen könnte. Gutes Essen sei bedroht (das berühmte Chlorhühnchen lässt grüßen), der Schutz vor Giften werde ausgehölt, unsere Vorsorge demontiert und die neue TTIP-Arbeitswelt entwickle einen Sog nach unten.

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Die Freihandelslüge und ihre Gewinner

Das, was TTIP ermöglichen soll, so Thilo Bode, nämlich den Freihandel, das gerade verhindere der Vertrag und leiste Wirtschaftsinteressen und Protektionismus Vorschub. Das Transatlantic Trade and Investment Partnership-Abkommen diene globalen Konzernen, die ihre Marktanteile und ihren Einfluss absichern und ausbauen wollten. Konzerninteressen würden durch TTIP in Gesetze gegossen. Das bedeute zwar Freiheit der Wirtschaft, aber nicht Freiheit der Gesellschaft. Und die Politiker spielen zum größten Teil mit. Denn auch wenn Millionen Menschen hierzulande gegen TTIP sind, glauben sie 500 Millionen Menschen rechtmäßig zu vertreten. Möglich, dass wegen dieser Arroganz der Macht immer weniger Menschen Lust verspüren, sich an Wahlen zu beteiligen.

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Worum es bei TTIP nicht geht

Es geht nicht um die Fragen, die immer wieder von den Befürwortern des Abkommens in den Vordergrund gerückt werden. Etwa darum, dass Airbags in der EU und in den Vereinigten Staaten unterschiedliche Kalibrierungen haben oder in Amerika rote Rücklichter, in der EU gelbe Rücklichter vorgeschrieben sind. Dass es sinnvoll ist, solche Regelungen zu vereinheitlichen, bezweifelt auch Thilo Bode nicht. Es geht darum, dass die Kompromisse, die dabei herauskommen, nicht zu Lasten der Bürger gehen und – bleiben wir beim Beispiel Airbag – eine Variante der Herstellung festgeschrieben wird, die zu weniger Sicherheit bei einem Aufprall führt, nur weil diese Variante für die Industrie günstiger herzustellen ist und mehr Gewinn bringt.

Auch wenn Angela Merkel und andere deutsche Politiker das Projekt TTIP als alternativlos beschreiben und Horrorszenarien an den Himmel malen wie die, dass uns größere Arbeitslosigkeit ohne TTIP drohe, dass Asien unsere Wirtschaft ohne TTIP überhole, dass wir uns von den Weltmärkten abkoppelten: Thilo Bode bleibt dabei, dass TTIP den Bürgern vor allem in Europa schade. Natürlich provoziert Thilo Bode in seinem Buch, er ist unbequem und geht mit dem Kartell der Wirtschaftsbosse und Politiker ins Gericht. Aber was, wenn es Menschen wie Thilo Bode nicht mehr gibt? Wenn es keine Denkanstöße mehr gibt?

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Die Freihandelslüge lesen und mitreden!

Die Freihandelslüge liest sich wie ein Krimi. Angesichts des Dargestellten ging mir der Hut hoch. Schon allein die Tatsache, dass nicht Politiker die Verhandlungen über TTIP führen, sondern Unternehmensvertreter, Lobbyisten und Juristen. Die Politiker braucht man am Ende nur noch zum Zustimmen. Na schön, vielleicht ist es für die gewählten Politiker einfach ein bisschen zu hoch, was da verhandelt wird. Doch wozu braucht es dann noch Politiker? So ist TTIP auch ein Zeichen dafür, dass sich unser politisches System immer mehr in Richtung einer marktkonformen Demokratie – ich würde sagen Oligarchie – bewegt.

Wer bei TTIP mitreden will, sollte Die Freihandelslüge gelesen haben – ob Befürworter oder Gegner!

Lars Kepler, Ich jage dich

Wer jagt hier wen? Zunächst ein Serienmörder junge Frauen, die allein leben. Singles, die er abends durch die Fenster filmt. Hinterher stellt er seine Voyeur-Clips auf Youtube. Das ist das Zeichen dafür, dass er die jeweils gefilmte Frau ermordet. Mord mit Ansage also. In Ich jage dich versucht die Kriminalpolizei natürlich den nächsten Frauenmord zu verhindern, doch der Täter ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Bis die Ermittler einen bewusstlosen Mann am vierten Tatort vorfinden.

Lars Kepler – ein Pseudonym

Lars Kepler ist Pseudonym für das schwedische Ehepaar Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril, die seit 2009 Krimis veröffentlichen, in denen Kommissar Joona Linna im Mittelpunkt steht. Ihre Krimis sind in mehr als 30 Ländern veröffentlicht worden und haben viele Literaturpreise eingeheimst. Alexandra studierte Schauspiel, brach aber ihr Studium nach einigen Semestern ab, um sich ganz dem Schreiben zu widmen, das ihr Mann Alexander nach einem Studium der Philosophie, Religion und des Films als Theater-Autor aufnahm. Das Pseudonym der beiden Schriftsteller lehnt sich zum einen an den Astronomen Johannes Kepler an, den sie als eine Art Detektiv betrachten, der die Beobachtungen des dänischen Astronomen Tycho Brahe verfolgte. Lars dagegen geht auf Stieg Larsson zurück, der die Ahndorils inspiriert.

Ich jage dich und das Thema Stalking

Trotz der literarischen Anmutung von Ich jage dich geht es bestialisch zur Sache beim Morden. Nichts für Leute mit schwachen Nerven, wenn sich in einer Leiche mehr als 100 Messerstiche finden. Aber geht ein Stalker wirklich so weit? Ja, Stalker sind obsessiv und bedrohen ihr Opfer oft nicht nur psychisch. To stalk bedeutet jagen, hetzen, verfolgen, nachstellen. Das kann in dramatischen Fällen bis zur Tötung des Gestalkten führen. Wie ein Jäger gehen Stalker vor, wenn sie Personen nachstellen, die eine Beziehung mit ihnen zurückgewiesen haben. Doch auch unbeteiligte Menschen können zu Stalking-Opfern werden, wenn ein Täter sie stellvertretend für andere büßen lässt. Überhaupt kommt es auf die Persönlichkeit des Stalkers an, auf seine Motivation und seine Beziehungsverhältnisse, wie stark er stalkt und wen er als Opfer auswählt. Ich jage dich kann als eine erschütternde Art der Annäherung an das Phänomen Stalking betrachtet werden. Ob Sie wie vom Lesen Schlafstörungen, Angstsymptome, Kopf- oder Magenschmerzen bekommen, hängt von Ihren Nerven ab. Ich habe Sie gewarnt! Stalking-Opfer, und das sind allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 10.000 Menschen, vor allem Frauen, trifft es weitaus schlimmer: Sie können auch an Depressionen, Kontrollverhalten, Vereinsamung oder posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

Mehr Infos zu Lars Keplers Buch Ich jage dich!

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