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Micropayments für eBook-Häppchen in China E-Mail


Während in der westlichen Welt die Vermarktungs-Problematik von eBooks noch ungelöst in den Köpfen hängt und sich die Fronten immer mehr verhärten, geht es anderswo schon weiter. In dem für uns fast nicht beachteten eBook Markt China werden eBooks nun häppchenweise mittels Micropayments an die Leser verkauft. Die erste Hälfte oder sogar zwei Drittel eines eBooks sind kostenlos.

In Scheiben geschnittenes Obst übereinander gestapelt (c) Wolfgang KrausDanach zahlt man je weitere tausend Zeichen Kleinstbeträge an den Anbieter "Shanda". Der Aperitif ist kostenlos, das Hauptmenü schlägt zu Buche - funktioniert ja auch bei anderen Gelegenheiten ganz gut so. Im Endeffekt kostet das Buch den Leser so meist nur ein Zehntel der Papier-Ausgabe.

Ein zukunftsträchtiges Modell?
Größte Einschränkung bei dieser Abrechnungsmethode: sie eignet sich hauptsächlich für sequenziell aufgebaute Literatur, da der Leser hier naturgemäß dem Ende und damit dem "Ziel" des Buches entgegen liest und weiterlesen möchte. Um solche handelt es sich auch beim Grossteil der Shanda-Lektüre.
Doch bei Fachbüchern kann dieses Modell so nicht funktionieren. Die gewünschten Informationen können sich ja an jeder Stelle des Buches befinden. Der Leser weiss dabei jedoch meist schon vorher anhand des Inhaltsverzeichnisses, welche Teile des Gesamtwerkes ihn interessieren. So könnte man auch hier kapitelweise Bruchstücke bepreisen. Das deutsche Startup PaperC geht mit seinem Inventar für Studenten und Wissenschaftler sogar einen noch radikaleren und ebenfalls denkbaren Weg: Inhalte vieler Fachbücher können kostenlos gelesen werden, erst das Herunterladen und Speichern führt an die Kasse.

Akzeptanz bei Contentanbietern entscheidend
Hier steht ein interessantes Vermarktungsmodell vor der Tür, was dem Leser auch eine wichtige Eigenschaft beim Musikkauf und dem stationären Buchhandel in die digitale Bücherwelt bringt, die meiner Meinung nach unverzichtbar ist: Inhalte können

  • getestet werden - Auch viele Eigenschaften und die Qualität eines eBooks kann erst beurteilt werden, nachdem man eine gewissen Voreinsicht erhalten hat. Dies ist sowohl bei Büchern im Regal als auch bei Musikanbietern, bei denen man die ersten 30 Sekunden anhören kann
  • stückchenweise erworben werden - auch in der Musikbranche schrumpfen die Albumverkäufe wo hingegen die Einzeldownloads zulegen. 
Dieses Modell steht und fällt aber wieder mit der Akzeptanz bei den Anbietern von qualitativ hochwertigen Inhalten: Verlagen und Autoren. Dass hierzulande neue Vermarktungsansätze nicht gerade umarmend in Emfpang genommen werden, ist kaum zu übersehen. Aber folgenden Realitäten kann man sich langfristig nicht entziehen:
  1. Kunden möchten nur für das Bezahlen, was sie auch nutzen. Ot sind das naturgemäß nur Teile eines Gesamtpaketes
  2. Konsumenten sind nicht dumm - der Produktpreis muss dem Kostenniveau des Trägermediums angepasst werden. Digitale Herstellkosten sind deutlich geringer als physische, das muss sich im Preis von eBooks widerspiegeln. Eine scheibchenweise Abgabe des Produkts trägt dem zumindest ansatzweise Rechnung.
  3. Der Preis muss so niedrig liegen, dass Raubkopien für den größten Teil der potentiellen Leser uninteressant werden.

Wann tritt in Deutschland oder Europa der erste Großverlag mit diesem Modell an und sammelt Erfahrungen, die der ganzen Branche einen Weg in die digitale Zukunft zeigen weisen können?

Was sind eure Gedanken hierzu? Kommentare in der Gruppe sind willkommen!

(Martin Schnell)

Quelle:
SZ / Jetzt Magazin - Artikel

 
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