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Ich mag Social DRM, aber ... E-Mail
Grafik mit Schriftzug Ronald Schill, Geschäftsführer des MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, vertrat bis vor Kurzem Kopierschutz-Mechanismen wie Adobe Digital Editions konnte sich noch nie mit harten DRM-Maßnahmen anfreunden. Nun verkündet ein wichtiger Vertreter der e-Buchbranche in Deutschland, dass die DRM-Verschlüsselungen von Hackern geknackt wurden und deshalb e-Books nicht mehr sicher wären. Auch wenn diese Erkenntnis und die das ermöglichenden Programme in einschlägigen Kreisen schon eine Weile bekannt sind - schön, dass hier ein bedeutender Vertreter der Branche auch einmal kritische Töne gegenüber den bis jetzt eingesetzten, "harten" DRM-Maßnahmen anschlägt.

Ein neues Zaubermittel ist schon gefunden
Schill - der auch die Buchplattform des Buchhandels, libreka.de, managed - propagiert nun Social DRM. Solche "weichen" DRM-Mechanismen setzen auf die Markierung von gekauften e-Books mit den Daten des Käufers und sollen somit die illegale Verbreitung durch den Käufer verhindern. Denn wer seinen Namen im digitalen Einband wiederfindet, stellt e-Books sicher nicht auf Tauschbörsen zur Verfügung. Zumindest nicht bewußt und vorsätzlich. Schließlich geht es hier um geistiges Eigentum eines Verlags oder Autors und durch die Veröffentlichung verursacht man bei diesen einen Schaden in drastischer Höhe, welcher postwendend vom (durch Social DRM jetzt leicht auffindbaren) Bösewicht zurück gefordert werden könnte.

Dem Faden mal um die Ecke folgen
So weit die Theorie. Eine Schwachstelle hat das Social DRM aber doch: wie werden die vielen Fälle behandelt, in denen geschützte Werke unfreiwillig in illegale Tauschbörsen  eingeführt werden? Eine einzige Kopie im Kreislauf reicht aus um die Verbreitung in Gang zu bringen, ein zurückholen gibt es nicht denn das Netz vergisst nicht. Ein gestohlener eReader, eine weggeworfene Festplatte oder eine verliehene Speicherkarte mit vielen Urlaubs-Bildern und einem vergessenen Social DRM-eBook darauf. Gefahren lauern viele, von Schusseligkeit bis Diebstahl tun sich Unmengen an Möglichkeiten auf, um den Einfluß über seine Social DRM-geschützten Werke zu verlieren.

Das kann auch mit den eigenen Daten passieren, wird mancher sagen. Aber der Verlust jener kommt nicht mit den Interessen millionenschwerer Verlage in Konflikt. Hier ist das aber der Fall und vor meinem geistigen Auge sehe ich schon Schlagzeilen aufblitzen á la: "eBook Reader im Park vergessen - Hausfrau von Verlag auf 80.000 € Schadenersatz verklagt". Die Presse liebt ja bekanntlich solche Headlines und bei den tausenden potentiellen Verursachern werden Sie sicherlich kommen.

Verunsicherung macht sich breit
DRM-Mechanismen sind im breiten Publikum noch nicht so angekommen und verstanden wie beispielsweise das Abheben am Geldautomaten und seine Gefahren. Solange dies nicht der Fall ist, füllen Verbraucher Ihr Nicht-Wissen genauso gierig wie unbewusst mit solchen Bausteinen, ganz egal ob positiv oder negativ. Schnell ist dann der Begriff Social DRM mit -> Gefahr besetzt und dies sollte tunlichst vermieden werden um Social DRM nicht zur Totgeburt werden zu lassen.

Ich liefere gern auch einen Lösungsansatz zu aufgeworfenen Fragen mit, aber hier habe ich noch nichts Erfolg versprechendes aufgetan. Auf jeden Fall sind die Verlage gut beraten Ihre Revolver lieber einmal mehr im Halfter zu lassen und in solchen Fällen besser auf eine Einzelfallprüfung zu setzen als unvermittelt branchenferne Anwälte mit dem Prozessieren und Beitreiben von Forderungen zu betrauen. Dass so etwas schnell zu Gunsten der zu Unrecht geschaßten Verbraucher nach hinten losgeht, belegen die meisten Fälle dieser Machart. Sonst könnte das zarte Pflänzchen namens "Social DRM" schon wieder eingehen bevor der Frühling in der digitalen Zukunft der Bücher Einzug hält - obwohl wir dich alle so zufrieden wären in einer Welt ohne die Restriktionen und Gängeleien des harten DRM.

Oder bin ich auch nur überbesorgt was das angeht? Eure Meinungen in den Kommentare sind herzlich!

(Martin Schnell)
 
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