| Amazon Kindle kommt nach Deutschland |
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Für alle die erst etwas später zugeschaltet haben einen Schritt zurück: Amazon's Kindle eReader machte elektronisches Lesen im größten eBook Markt weltweit, den USA, erst populär und ist dort praktisch zum Synonym für eBook Reader geworden. Mittlerweile besitzen mehr als 1 Million Amerikaner einen Kindle und Amazon nimmt mit seinem Gerät unangefochten die Spitze der Verkaufscharts (vermutete 75% Marktanteil) ein. Der Erfolg des Kindle lässt sich zum großen Teil an einem strategischen Glanzstück bei der Produktentwicklung festmachen. Amazon ist zufällig auch der größte Onlinehändler für (e-)Bücher weltweit. Was liegt näher als seinen eReader per kostenloser Mobilfunkanbindung ("Whispernet" genannt) direkt an den Büchershop anzubinden und dem Nutzer jederzeit und überall das Kaufen seines Lese-Stoffs zu ermöglichen? Das permanent abrufbare Angebot umfasst so knapp 350.000 englischsprachiger Bücher, darunter über 90% der US-Bestsellerliste. Eine praktische Sache - das gewünschte Buch ist innerhalb von 60 Sekunden auf dem Kindle und kann sofort gelesen werden. Kein anderer eReader kann bis dato mit diesem Vorteil auftrumpfen. Nachdem Amazon erst vor wenigen Monaten verkündete, dass die Verhandlungen mit deutschen Mobilfunkanbietern für die deutsche Markteinführung gescheitert sind, kündigt sich nun eine überraschende Alternative mit Notlösungscharakter an: AT & T sorgt für die Verbindung des Kindle mit dem Mobilfunknetz, indem es sich über seine Roamingpartner in die deutschen Netze einklinkt. Es geht also auch so. Unangenehm für Kunden hierzulande: während Bücherdownloads in den USA für den Benutzer keinerlei Verbindungskosten verursachen, werden bei uns 1,99 US-Dollar je Download fällig, die zusätzlich zum Buchpris anfallen. Ob der Kindle aus dem Stand in Deutschland ein Verkaufsschlager wird, darf bezweifelt werden. Vom US-Angebot sind per Kindle bei uns "nur" 290.000 Titel abrufbar, leider schmerzlich vermisst werden dabei beliebte US-Bestseller wie Dan Brown's Lost Symbol und andere. Ohne ein entsprechendes Angebot an deutschsprachigen Büchern ist der Kindle wohl erst einmal nur für "Geeks" interessant. Doch ein Branchenriese wie Amazon hat einen langen Atem und bringt mit dieser Aktion automatisch Bewegung in den Markt. Die Branche gewinnt damit Anhänger für das elektronische Lesen insgesamt und über den verlängerten Arm auch die Verlage selbst, die allem Anschein nach nur mit sanftem Druck in diesem neuen Medium ankommen werden. Im Endeffekt bedeutet das mit Sicherheit eines: mehr Aufmerksamkeit für das Lesen auf elektronischen Geräten. Wer einen Kindle kaufen möchte sollte tunlichst noch auf die Neuigkeiten der Frankfurter Buchmesse (14.-18.10.) warten, dort erscheinen vielversprechende Alternativen zu Amazon's Gerät wie der deutsche txtr. Diese erlauben im Gegensatz zum Kindle auch das Aufspielen populärer Formate wie EPUB und PDF, was der Kindle ohne Konvertierung nicht verarbeiten kann. Baldiges Vorbestellen ist für Kaufwillige dennoch anzuraten, da der Kindle selbst in den USA bereits mehrmals ausverkauft war und beim Launch in 100 weiteren Ländern wird das wohl auch wieder der Fall sein.
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